Grundsätzliche Vorgehensweisen bei der Migration auf Windows 7

Wenn man auf Windows 7 umsteigt, stellen sich sehr oft Fragen, wie z.B. ob ein Upgrade (in-place-upgrade) oder eine Neuinstallation durchgeführt werden sollte oder man einfach das bestehende OS auf ein neues OS portieren soll (wie man das bei Windows 2000 auf Windows XP gemacht hat) ?!? Wir haben hier im Blog mit der LTI angefangen, weil ich gerade solch eine Vorbereitung für einen Kunden hatte. Aber wir sollten uns jetzt mal kurz von der technischen Seite abwenden und uns mal ein paar generellen Thematiken zuwenden.
Gerade im Geschäftsumfeld muss man genau wissen wie solch ein upgrade von statten gehen soll und was mit Windows 7 möglich ist und was nicht.
Es ist z.B. nicht möglich von einem 32bit auf ein 64bit OS oder von Windows XP 32bit auf Windows 7 32bit upzugraden. Aber hier gibt uns der Windows 7 Upgrade Advisor wertvolle Hilfe.
Ein wesentlicher Vorteil der das Umsteigen auf Windows 7 einfacher macht, ist das bei Windows XP  technische Einschränkungen die Erstellung eines einzigen Images verhindern. Unterschiedliche Hardware Abstraction Layer (HAL) bedeuteten, dass der Admin immer mehrere Images pflegen mussten (Desktops, Notebook, verschiedene Hardware usw). Viele Unternehmen haben zwei bis drei Images pro Plattform (x86 und x64) im Einsatz (Server, Notebook, Client PCs) und oftmals wird dabei vergessen das jedes Image höhere Kosten und mehr Komplexität bedeutet. Bei Windows 7 bestehen diese technischen Einschränkungen nicht mehr, da das Betriebssystem in der Lage ist die benötigte HAL festzustellen und sie automatisch zu installieren.

Wie sollte eine Migration genau generell ablaufen ?
Zunächst müssen wir uns ein Ziel definieren- was soll in welcher Zeit und auf welchen Status migriert werden. Wir unterscheiden hierbei 2 Migrationsformen:

a.) die Vollständige Migration des Unternehmens
Hierbei werden in einem vordefiniertem Zeitraum alle PC’s im Unternehmen in einem rollout migriert. Der Vorteil hierbei ist, dass es keine Problem im Mischbetrieb gibt und alle PC’s den selben Standard haben. Der Nachteil ist, der große logistische Aufwand und der Schulungsaufwand bei den Mitarbeitern, da jeder User am Tag X der Migration über ein Windows 7 Basiswissen verfügen muss.

b.) die sukzessive Migration
Bei dieser Migrationsform werden die ältesten PC’s durch neu Windows 7 PC’s ersetzt und es wird eine Migration in mehreren Schritten durchgeführt. Hierbei ist es sinnvoll z.B. nach und nach die Abteilungen umzustellen. Der Vorteil hierbei ist, dass man in kleineren Schritten vorgeht und die User gezielter Abteilungsweise auf das neue Betriebssystem schulen kann. Der Nachteil ist, der Mischbetrieb von mehreren Betriebssystemen (der z.B. im Support Probleme verursachen kann).

Die IST Zustand Analyse
Die genaue Analyse des „momentanen IT Zustandes“ eines Unternehmens ist ein Grundpfeiler für eine erfolgreiche Windows 7 Migration. Nur so ist eine Umstellungsphase möglich.
Zur Analyse des IST Zustands gehört:

  • Testen der Hardware Kompatibilität
    Die Hardware sollte die Mindestanforderungen von Windows 7 erfüllen, sprich mind. einen CPU mit > 1Ghz (am besten schon direkt mit mind. 2 Kernen), 1GB RAM (2GB bei x64 Systemen) und mindestens einer 60GB Festplatte ausgestattet sein. Sollte hier eine Voraussetzung nicht erfüllt sein, muss der PC getauscht werden (PC’s die hier durchfallen sind in der Regel längst abgeschrieben.) Hier ist der Windows 7 Upgrade Advisor wieder eine wertvolle Hilfe.
  • Testen der Kompatibilität der Applikationen
    Eine weitere sehr wichtige Frage die im Vorfeld zu klären ist, ist ob alle im Unternehmen eingesetzten Programme mit Windows 7 kompatibel sind. Es kann durchaus sein, dass Programme ein kostenpflichtiges update benötigen damit sie mit Windows 7 zusammenspielen. Sowas kann sehr leicht sehr teuer werden! Wenn der CIO dies vergisst zu checken und von Anfang an mit einzubeziehen, kann er sehr massive Probleme mit dem Management bekommen.
    Wie man mit Hilfe dem Microsoft Application Compatibility Toolkit (ACT) 5.5 Programme testet stehe auch hier im blog. Es gibt viele Möglichkeiten Applikationen kompatibel mit Windows 7 zu machen, darauf wird aber in speziellen Artikeln eingegangen.

Auch hier läßt uns Microsoft glücklicherweise nicht im Regen stehen, genau für diese Fälle wurde der Windows Inventory Collector entwickelt. Was das ist und wie das funktioniert….auch dazu wird noch ein vollständiger Artikel geschrieben ;-).
Wichtig ist auf alle Fälle, dass man einen vollständigen Gesamtüberblick über alle Systeme und Applikationen im Unternehmen hat um sich so perfekt auf die anstehenden Aufgaben vorbereiten zu können !

Einzelplatz – Upgrade oder Neuinstallation ?
Auch wenn man ein in-place-upgrade von Vista machen könnte, sollte man sich folgendes überlegen…..
Wenn ich mit meinem Hausstand umziehe, ziehe ich blind alles mit um oder nutze ich die Gelegenheit mich von Dingen zu trennen die ich sowieso nicht mehr benötige -> ich werfe den Kram weg, den ich nicht mehr brauche ;-).
Auch bei einem in-place-upgrade wird viel Müll, den man nicht mehr benötigt, vom alten OS mit umgezogen -das nimmt uns nur Systemressourcen und birgt potenzielle Fehlerquellen mit sich.
Wie schon oben angesprochen muss man vorher klären ob das z.Z. verwendetet Windows sich so einfach upgraden läßt. Der Windows 7 Upgrade Advisor ist dabei eine wertvolle Informationsquelle und ein sehr guter Ratgeber !

Hier trotzdem mal eine kleine Übersicht was man in-place upgraden kann…….

  • Windows Vista Ultimate 32 Bit -> Windows 7 Ultimate 32 Bit
  • Windows Vista Ultimate 64 Bit -> Windows 7 Ultimate 64 Bit
  • Windows Vista Business 32 Bit -> Windows 7 Professional 32 Bit
  • Windows Vista Business 64 Bit -> Windows 7 Professional 64 Bit
  • Windows Vista 32 Bit (NICHT die Starter Edition) -> Windows 7 Ultimate 32 Bit
  • Windows Vista 64 Bit (NICHT die Starter Edition) -> Windows 7 Ultimate 64 Bit
  • Windows Vista Home Basic 32 Bit -> Windows 7 Home Premium 32 Bit
  • Windows Vista Home Basic 64 Bit -> Windows 7 Home Premium 64 Bit
  • Windows Vista Home Premium 32 Bit -> Windows 7 Home Premium 32 Bit
  • Windows Vista Home Premium 64 Bit -> Windows 7 Home Premium 64 Bit

und was nicht…..

  • Windows XP -> Windows 7 (32 Bit oder 64 Bit)
  • Windows Vista Starter -> Windows 7 (alle editions)
  • 32 Bit Edition von Windows Vista -> 64 Bit Edition von Windows 7
  • 64 Bit Edition von Windows Vista -> 32 Bit Edition von Windows 7
  • Windows Vista Ultimate -> Windows 7 Professional (64 oder 32 Bit)
  • Windows Vista Home Basic -> Windows 7 Professional (64 oder 32 Bit)
  • Windows Vista Home Premium -> Windows 7 Professional (64 oder 32 Bit)
  • Windows Vista Business -> Windows 7 Home Premium (64 oder 32 Bit)
  • Windows Vista Ultimate -> Windows 7 Home Premium (64 oder 32 Bit)

Wird neuen Hardware angeschafft ?
Wenn neue Hardware angeschafft werden soll, ist es sinvoll direkt  auf 64bit zusetzten, wir leben mittlerweile in Zeiten wo jeder 299€ teure Consumer PC  100% 64bit tauglich ist und 64bit Treiber weit verbreitet sind.

Wie Benutzerdaten sichern ?
Wie hier im blog schon mehrfach geschrieben, sollten die User Daten extern gesichert werden (z.B. USB HDD), man kann das mit tools wie Acronis True Image umsetzen -dabei wird ein komplettes Image Backup der Festplatte gesichert. Der Vorteil hierbei ist, dass wenn der User Daten vergessen hat zu sichern, man auf dem neuen System ganz einfach durch das angelegte Image browsern kann um die Dateien  wieder auf das neue System zu sichern. Der einfacherer Weg ist jedoch, das Windows Easy Tranfer tool benutzt, wie dieses tool genau funktioniert ist hier erklärt.
Im Geschäftsumfeld wird man eher auf das User State Migration Tool zurückgreifen. Ein spezieller Artikel ist hierzu bereits in Vorbereitung.

Treiberupgrade ?
Das Problem  zu Vista Zeiten war, dass es für 64bit OS kaum Treiber gab und die Hersteller nur langsam mit der Entwicklung der 64bit releases ihrer Treiber voran kamen.

Dann stellt sich noch eine Frage, die besonders beim Deployment im Geschäftsumfällt eine grosse Rolle spielt:
Welche Treiber sind sinnvoll und absolut notwendig und welche kann man beruhigt weglassen ?
Treiber sind oft nicht mehr nur pure „Verbinder“ zwischen Hardware und Betriebssystem, es ist leider bei den Herstellern üblich geworden Treiber zu entwickeln die komplette Programme sind. Besonders im Notebook Bereich kann man hier mit Grauen feststellen das dort zum Teil 200MB große „System Management“ Treiber benötigt werden um den Rest der Treiber überhaupt installieren zu können :-(.
Wenn man z.B. ein Masterimage anfertigen und es ganz „sauber“ aufsetzten will, installiert man Windows setzt den ersten Wiederherstellungspunkt als master und installiert einen Treiber, dann testet man ob man ihn braucht und was für Auswirkungen dieser Treiber hat.
Wenn alles ok ist -> neuer Wiederherstellungspunkt, wenn nicht Wiederherstellungspunkt wieder lösen und mit dem nächsten Treiber weitermachen.
So werden Masterimages im Enterprise Umfeld gemacht, ist sehr viel Arbeit aber so hat man dauerhaft ein hochperformantes System, welches auch weniger störanfällig ist und somit auch weniger Wartung benötigt.

Das Master Image – Thin, Thick oder Hybrid ?!?
Wenn wir alles soweit überprüft haben wird es Zeit sich um die From des Images Gedanken zu machen.
Das Windows Deployment bietet 3 verschiedene Image Typen an:

Thin Image

Das „dünne“ Masterimage enthält nur die absolut notwendigsten und grundlegendsten Komponenten die für ALLE PC Typen im Unternehmen absolut notwendig sind (z.B. active Perl, Software Deployment Clients, Java). Diese Komponenten, deren Versionstände durch das Change Management bestätigt werden, erhalten eher seltener ein Update.
Vorteil:
-Deployment übers LAN verursacht weniger Traffic
-bessere Skalierbarkeit
-verringerter Administrativen Aufwand durch leichter Imagepflege
Nachteil:
-benötigte Programme müssen nachinstalliert werden (Softwareverteilungstool, Gruppenrichtlinien)

Thick Image
Das „fette“ Masterimage enthält alle Komponenten die der fertige Client erhalten soll, z.B. Office, Acrobat Reader, Bildbetrachter, diverse Software die das Unternehmen einsetzt.
Vorteil:
-alle Komponeten werden auf einmal installiert
-kein Softwareverteilungstool oder Gruppenrichtlinien zur Installation zusätzlicher Software nötig
Nachteil:
-bei jedem Update oder Change muss das ganze Image angepasst werden
-hoher Platzbedarf verursacht viel Traffic währen der Installation
-kann u.U. nicht mehr auf einer bootfähigen DVD untergebracht werden
-Lizenzproblematiken, weil alle PC’s jede Software erhalten

Hybrid Image
Das Hybrid Image ist die Image Form die wir am häufigsten antreffen. Es wird bewußt schmal gehalten, d.h. hier wird nur die Software installiert, die auf allen Clients im Unternehmen zu finden ist, z.B. auch größere Komponenten wie Office, Packer Tools und Acrobat Reader. Es werden aber  nicht Fachbereich spezifische Tool wie beispielsweise MS Project oder das Lohnbuchhaltungstool mit ins Image gepackt.
Vorteil:
-Deployment übers LAN verursacht weniger Traffic
-bessere Skalierbarkeit durch weniger installierte Komponenten
-Einsparung bei den Lizenzkosten
-verringerter administrativer Aufwand durch leichtere Imagepflege
Nachteil:
-benötigte Programme müssen nachinstalliert werden (Softwareverteilungstool, Gruppenrichtlinien)

Das Hybrid Image ist die beste Form die wir besonders im small business Bereich favorisieren sollten, sie bietet uns größere Flexibilität und dadurch weniger administrativen Aufwand. Im Enterprise Bereich verfügt man meist über eine seperate Software Deployment Lösung, sodass wir in diesem Fall auf ein Thin Image zurückgreifen, in dem einfach nur dafür gesorgt wird, dass der Client eine Verbindung zum Deployment Server erhält durch den er dann betankt wird.
Im very small business Bereich (<30 Clients) macht das Thick Image am meisten Sinn, den dort ist es häufig so, dass ein Client alle Programme enthalten muss.

Wie man korrekt ein Masterimage erstellt, das behandeln wir in einem extra Artikel, hier soll es nur mal um einen groben Überblick gehen !

Fazit:
Wie man sieht, gibt es bei einer Migration jede Menge Dinge denen man nicht direkt Beachtung schenkt. Es gilt hierbei sich erst einen genauen Überblick über die Anforderungen von Windows 7 zu verschaffen, die im Unternehmen eingesetzte Software auf Kompatibilität mit Windows 7 zu testen und abzuwägen welche Image Form man für das Deployment wählt.

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4 Kommentare zu Grundsätzliche Vorgehensweisen bei der Migration auf Windows 7

  1. Pingback: Erstellung eines Masterimage mit MDT 2010 | Eye on Windows 7

  2. Iggy sagt:

    Ja, ich habe es gerade bemerkt das der Artikel leider irgendwie doppelt ist 🙁

  3. Sam sagt:

    Hey , ich wuerde sie gerne für einen tag buchen aber leider erhalte ich auf keine email oder kontaktanfrageformular auf der homepage eine antwort , funktionieren die scripts nicht oder haben sie keine zeit ? 🙁

  4. Iggy sagt:

    Ich hoffe das ich dir weiterhelfen konnte mit unserem Telefonat 😉

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